Kompetenz

  • Ab 1981 zehnjährige Studienphase. Schwerpunkt: Philosophie (Sprachphilosophie, Hermeneutik, Wissenschaftstheorie) und Gesellschaftswissenschaften. Abschluß mit dem Magisterexamen bei Karl-Otto-Apel. – Kompositionsstudien bei Gerhard Schedl. – Mehrjährige „Lehre“ in traditionellen Yogarichtungen und Arbeit als Yogalehrer. –
  • Von 1992 – 1994 erste Therapieausbildung.
  • Seit 1994 Arbeit als Suchttherapeut.
  • Berufsbegleitend Aus- und Fortbildungen in verhaltenstherapeutischen und sogenannten „tiefenpsychologischen“ Verfahren.
  • Nebenberuflich war ich als Dozent an der FU und als freier Berater tätig.

Fortbildungen und Berufserfahrung in Paar- und Familienberatung verstärkten mein Interesse an den Themen Beziehungs- und Konfliktdynamik. Regelmäßig konnte ich erleben, wie schnell es geschehen und wie verhängnisvoll es sich auswirken kann, wenn Verständigungsprozesse in Beziehungen oder Organisationen blockiert werden und ihre korrektive, realitätsprüfende Kraft nicht entfalten können…

Meine Besinnung darauf, was uns Menschen ausmacht, wurde wesentlich bereichert und inspiriert von den vielen Menschen, mit denen ich im Rahmen meiner therapeutischen Tätigkeit sprach.

Wen es interessiert, warum ich nicht promoviert habe, kann hier weiterlesen:

 

Akademische Philosophie und philosophische Kompetenz

  • Das Ziel des Philosophiestudiums ist Gelehrtheit. Die Motivationen, Philosophie zu studieren, decken sich damit nicht immer.
  • Es dauert manchmal lange, bis man das herausfindet. Mir wurde erst klar, was ich nicht wollte, als ich eine Anmerkung las, in der der Autor verwies auf „Aschendorffs Darstellung von Hackers und Bakers Kritik an Strouds Kritik von Kripkes Wittgensteinkritik“.
  • Die Fachprofessionalität zeichnet sich dadurch aus, daß ihre Aussagen stets anschlußfähig sind an einen Kanon paradigmenkonstitutiver „klassischer“ Fachliteratur sowie an die aktuelle Fachdiskussion. Diese Virtuosität des Wissen verschafft spezielle, beneidenswerte Freiheiten, aber macht das Denken auch schwerfällig und reduziert die Zeit für Exkursionen jenseits der Fachgrenzen und für die Muße zum Querdenken und zur Rückbindung ans Leben. (Bei der „Rückbindung ans Leben“ handelt es sich um eine Art „Metareflexion“ in dem Sinne, in dem die letzte Metasprache die natürliche Sprache ist.)
  • Meine Unsicherheit, ob Gelehrsamkeit der Weg zu meiner Freiheit sein könne oder nicht, nahm mir Prof. Bieri, dessen Texte mich durch eine unakademische Schreibweise beeindruckt hatten und den ich mit der Frage aufsuchte, was er von meinen Promotionserwägungen halte. Er meinte: Intellektuelle wie ich würden sich im Gelehrtenbetrieb bloß Beulen holen. Und Beulen wollte ich natürlich keine kriegen. (Zu diesem Zeitpunkt (1995) wußte noch niemand, daß Prof. Bieri unter dem Pseudonym Pascal Mercier erfolgreiche Romane schrieb.)
  • Ich habe an zu vielen Dingen ein Interesse genommen, da hilft nur, wenn ich genau daraus etwas mache, daß ich in viele Täler Einblick habe, statt in einem jeden Weg und Steg zu kennen… – „Die grossen Epochen unsres Lebens liegen dort, wo wir den Mut gewinnen, unser Böses als unser Bestes umzutaufen“ (Nietzsche, Jenseits von Gut und Böse §116).

 

Das Erlebnis Karl-Otto-Apel

Es lohnt sich, bei den wirklichen Meistern ihres Fachs zu studieren.

Unvergesslich war nicht nur die Art und Weise, wie Prof. Apel aus Kants Kritik der reinen Vernunft vorlas: mit einer verschmitzten Trockenheit, die wie von Zauberhand den subtilen Humor Kants zum Vorschein brachte, so daß das ganze Seminar ein übers andere Mal lachen mußte. Apel sah dann von seinem Vortrag auf, bemerkte lakonisch, es sei ein Rätsel, wieso man Kants Stil immer so staubtrocken finde, und las weiter.

K.O. Apel war ein Experte für performative Selbstwidersprüche. Unvergesslich ist mir mein Erstaunen, wie er diese Form des Widerspruchs in Argumenten aufzuspüren vermochte, wo keiner es vermutet hätte. Ich bedaure nur, nicht fleißig mitgeschrieben zu haben und einige Belege davon zu besitzen. Aber es war ein eindrückliches Erlebnis dafür, was „implizites Wissen“ bedeutet, das nur durch lange Erfahrung zu erreichen ist.

Eindrücklich war auch, wie er sich immer über gute Leistungen seiner Studenten freute. Aber nicht wegen der Studenten, sondern weil es ihm eine Freude war, einen guten Text gelesen oder ein gutes Gespräch geführt zu haben.